Recycling

Recycling von Kunststoffflaschen: Deutschland übertrifft Norwegen

Das norwegische Kunststoff-Flaschen-Recycling-System ist im Internet zu finden. 95% Recycling klingt gut. Sind die Skandinavier jetzt die neuen Reycling-Weltmeister? Ein DW-Controller: Nein erscheint

Kein Land der Welt recycelt besser als Deutschland, so das Weltwirtschaftsforum, das erst Ende 2017 in der Schweiz ansässig ist. 56,1% aller deutschen Haushaltsabfälle wurden verwertet.

Berichte im Internet, darunter die britische Zeitung „The Guardian“, haben jedoch für viel Aufregung gesorgt: Norwegen ist Vorreiter beim Recycling von Kunststoffflaschen aus Polyethylenterephthalat (PET) mit einer Recyclingquote von 95%. Das Weltwirtschaftsforum hat auch ein Video auf Facebook veröffentlicht, in dem das skandinavische Land für das Recycling von Abfällen gelobt wird. Möglich wird dies durch ein ausgeklügeltes System von Steuern und Einlagen.

„Norwegen ist sehr stolz auf sein Pfandsystem und ist sehr öffentlich“, sagte Sundt der DW. Sundt ist Norweger und Generalsekretär der European Association of Plastics Recycling and Recovery Organisations, einer paneuropäischen Vereinigung für Kunststoffrecycling.

Gute Gründe für das Recycling

Das Prinzip ist einfach: Alle Hersteller von Dosen und Getränkeflaschen in Norwegen müssen hohe Steuern auf ihre Produkte zahlen. „In Norwegen haben wir schon immer Steuern geliebt“, sagt Sundt. Die Unternehmen können jedoch eine Steuererstattung erhalten, die sich nach der Anzahl der auf nationaler Ebene gesammelten Getränkeverpackungen richtet. Ist die Rendite höher als 95%, müssen sie keine Steuern zahlen. Auf diese Weise werden die Unternehmen ermutigt, ein nationales Pfandsystem zu betreiben.

Wenn Sie Ihre PET-Flaschen an einen der vielen Automaten in Norwegen zurückgeben, erhalten Sie wie in Deutschland Geld. Recycler wandeln leere Flaschen in hochreine PET-Streifen um, aus denen neue Flaschen hergestellt werden können. Es ist auch die Norm in ganz Europa.

„Hochwertige Materialien werden gesammelt und von den Unternehmen gerne beschafft“, sagt Frank Welle vom Fraunhofer-Institut für Prozess- und Verpackungstechnik in Freising. PET-Flocken und -Granulate – und damit auch PET-Flaschen – sind zu einem begehrten und preiswerten Rohstoff geworden.

Alles, was glänzt, ist nicht nur Gold.

Peter Sundt zeigt, dass die von Norwegen genannten 95 % kein echter Recyclinganteil sind, sondern nur eine Rendite. Dazu gehört alles, was gesammelt wird und nicht in der Natur oder im Meer landet. Dazu gehören auch Flaschen, die zusammen mit dem Restmüll zur Müllverbrennungsanlage transportiert werden.

Auch die tatsächliche Recyclingquote von PET-Flaschen ist Sundt nicht bekannt. „Ich erwarte, dass zwischen 80 und 90% tatsächlich recycelt werden, was bereits sehr hoch ist. Daran besteht kein Zweifel. Jede Plastikflasche, die nicht im Magen eines Meeresbewohners landet, ist immer noch ein Erfolg. Und im Vergleich zu vielen anderen Ländern der Welt, die kein System der Rückgewinnung und des Recyclings haben, ist Norwegen zweifellos ein Pionierland.

Warum Deutschland besser ist

Laut Bericht der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung wurden im Jahr 2015 93,5 % aller PET-Flaschen in Deutschland recycelt und 97,9 % aller PET-Flaschen mit Verpackung. Viel mehr als in Norwegen. Wer am Samstag vor einem Supermarkt Schlange stand, weiß, dass die Deutschen vorsichtig PET-Flaschen sammeln.

Das PET-Recycling-System in Deutschland ähnelt dem in Norwegen, aber es gibt keine Abgabe auf Getränkeverpackungen. Stattdessen ist die Einmalzahlung obligatorisch geworden. Um die Unternehmen zu ermutigen, das Pfandsystem zu nutzen, ist die Ausrüstung Eigentum der Person, die die Flasche annimmt. Wenn Sie also eine Flasche Aldi kaufen und an Lidl zurückschicken, wird Lidl glücklich sein. Das Unternehmen kann nun hochreines PET recyceln oder verkaufen.

Inzwischen haben die Supermarktketten erkannt, dass PET viel Geld verdienen kann, sagt Frank Welle. „Im Jahr 2003 beschwerten sich alle über die verfügbare Kaution. Wenn sie es jetzt abschaffen wollten, wären sie dagegen. Die Schwarz-Gruppe, Lidls Muttergesellschaft mit Rabatt und die Kauflandkette, übernahm auch das Familienunternehmen Tönsmeier, den fünftgrößten Sammler Deutschlands.

„Downcycling“.

Wenn Sie denken, dass alle Plastikflaschen, die Sie sammeln, wieder zu neuen Plastikflaschen werden, dann sind Sie es auch richtig.